Vorbereitung und Interviewführung
Ein Fragenkatalog ist schnell geschrieben. Schwieriger ist die Frage davor: Mit wem sitze ich gleich zusammen? Wie diese Person spricht, ob sie kurz oder ausführlich antwortet, wie sie auf Kritik reagiert: Das entscheidet oft mehr über das Interview als das Thema selbst.
Vor dem Interview
- Gibt diese Person kurze oder lange Antworten? Danach richtet sich, wie viele Fragen ich überhaupt brauche.
- Wird sie bei kritischen Fragen defensiv, oder wird sie gerade dann interessant?
- Weich einsteigen und Vertrauen aufbauen, oder direkt zur Sache?
- An welcher Stelle sind bei ihr in früheren Interviews die guten Sätze gefallen?
- Und ganz praktisch: Wie viel Zeit habe ich wirklich? Zwei Minuten sind ein anderes Interview als zwanzig.
Wenn eine Antwort an der Oberfläche bleibt, suche ich einen anderen Zugang, nicht eine andere Antwort.
Der Unterschied ist mir wichtig. Ich gehe nicht mit einem fertigen Ergebnis ins Interview. Aber ich gebe mich auch nicht mit der Standardantwort zufrieden, die dieselbe Person schon fünf anderen Redaktionen gegeben hat. Dann formuliere ich anders, werde konkreter, frage aus einer anderen Perspektive.
Kritisch fragen und fair bleiben ist für mich kein Widerspruch. Wer merkt, dass seine Aussagen nicht verdreht werden, erzählt mehr. Diese Atmosphäre herzustellen und trotzdem nachzuhaken, ist der Teil meiner Arbeit, den ich am liebsten mache.
Recherchemittel
Wayback Machine, offizielle Quellen und Daten des Bundes, das Archiv der Redaktion. KI nutze ich als Sparringpartner, wenn ich aus Beobachtungen Fragen entwickle, nie als Quelle.
Beispiele
Ausgestrahlte Beiträge